Mike Hoolboom: Imitations of Life 2003

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Major essay filmmaking from Canada’s Hoolboom, quite the equal to fellow Canadian Peter Mettler in the depth and range of his poetic, personal and philosophical mixed-media enquiries. An ambient assembly of diverse footages, from ads to classic clips, home movies to video diaries. Imitations explores the compulsion to document reality and the fissure between image and experience. Following the early childhood of his nephew Jack, Hoolboom delivers a profound, elegiac but often wryly humorous enquiry into the role of representation in the contemporary mindset. The presiding tone might be Markersque but the voice is Hoolboom’s own, melancholy, moving and committed. It all adds up to a poetic, persuasive evaluation of the disquieting new world we are making, and the attendant disappearances along that road.“ (Time Out, London)

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Filmisches Erlebnis als Installation?

Christoph Büchl

http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=playset&obj=7121

so stelle ich mir eine gelungene Installation vor. Die einen, für den Zeitraum den es benötigt um diesen zu durchschreiten, in einen anderen Kosmos versetzt. Das ist auch was der Film macht. Egal wie groß das Quadrat ist auf dem man sich einen Film ansieht. Wenn dieser Film einen in seinen Bann zieht, schrumpfen wir in diesern Raum des quadratischen Bildschirms hinein. Was macht das 3D Kino hingegen? Es versucht aus der Leinwand in unsere Welt hinauszutreten. Das kann bis auf den visuellen Effekt nicht gelingen, da wir uns der Gefahr bewusst sind, welcher wir uns aussetzten. Die Auflösung tritt im selben Moment wie dessen Erscheinung auf. Ein Film kann nicht gefährlicher oder schockierender sein als die Gefühle die das Filmerlebnis durch die Geschichte die es erzählt in uns weckt. Gerade heute, wo wir jede Grausamkeit  durch die Medien vorgelegt bekommen haben, hat der 3D Film keinerlei Wirkung als Bild. Der Film ist immer abhängig von der Geschichte die sich vor oder den Bildern verbirgt.

Ich bin ein „Objekthirte der Geräte“ bzw. das „prometheisches Gefälle“ von Günther Anders

Seine Kritik an der Zivilisation in der Mitte des 20. Jahrhunderts setzt am Gefälle zwischen der Unvollkommenheit des Menschen und der immer größer werdenden Perfektion der Maschinen an. Dieses Phänomen nennt Anders prometheisches Gefälle. Hiermit verknüpft er die prometheische Scham, d.h. die von dem Wunsch, selbst wie eine Maschine zu sein, erzeugte Scham des Menschen angesichts der eigenen Unterlegenheit gegenüber seinen technischen Schöpfungen.

Die Diskrepanz zwischen der Leistungsfähigkeit des Menschen und der seiner Geräte werde größer, seit das Werkzeug als Verlängerung und Verbesserung menschlicher Organe durch die Maschine mit ihrer Eigendynamik ersetzt werde; dies sei der Beginn der Antiquiertheit des Menschengewesen. Das Mensch-Sein – im Grunde das Leben überhaupt – erscheine nun als antiquierte Daseinsform; der Mensch erzeuge Produkte, mit denen er sich selbst überflüssig mache. Das benannte Gefälle zwischen dem, was der Mensch sich vorstellen, und dem, was er herstellen kann, legt eine weitere Bedeutung des Ausdrucks Antiquiertheit des Menschen nahe: Der Mensch ist Anders zufolge in seinen Möglichkeiten des Denkens, des Vorstellens antiquiert, d.h. rückständig gegenüber dem, was er herzustellen imstande ist.

Techniken sieht Anders nicht als wertneutrale Mittel zum Zweck: Durch die Vorgabe der Geräte sei ihre Anwendung bereits festgelegt. Spezifische ökonomische, soziale und politische Verhältnisse produzierten Maschinen, die ihrerseits spezifische ökonomische, soziale und politische Veränderungen nach sich zögen; Technik werde so vom Objekt zum Subjekt der Geschichte. Der Mensch aber könne die strukturelle Macht der Geräte nicht mehr erkennen, Sachzwänge emotional und kognitiv nicht mehr bewältigen und empfinde sich als mangelhaft. Die strukturelle Überlegenheit der Geräte habe sowohl positive Folgen, z.B. Erleichterung der Arbeit, als auch negative, z.B. das Verschwinden der Zielgerichtetheit von Arbeit. Der Mensch sei nurmehr ein für die Wartung zuständiger Objekthirte der Geräte geworden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Günther_Anders

Nachlese zu Vertov: Gerd Roscher über Adorno

Im Gegensatz zu den Konstruktivisten kommt es Adorno nicht auf Irritation an, die deren Konzept der Entautomatisierung der Wahrnehmung zugrunde liegt. In Sklovskiys 1916 geschriebenen Text „Die Kunst als Verfahren“ wird das Kunstwerk als eine Technik beschrieben, die unsere Wahrnehmung aus der Konvention befreit und so einen „fremden Blick“ auf das scheinbar Vertraute ermöglichen soll.

Entsprechend ist die Geschichte ästhetischer Formen die Geschichte immer neuer Entautomatisierungen, immer neuer Abweichungen durch neue künstlerische Verfahren bzw. ihre Einpassung in ihnen ursprünglich „fremde“ Kontexte. Dies bleibe nach Adorno formalistisch, dem Dargestelltem äußerlich.

Zwei kleine Filmsequenzen möchte ich hier einflechten, die beide im Jahr 1929 entstanden sind und beide aus der konstruktivistischen Bewegung kommen, eine Sportszene aus Vertovs „Mann mit der Kamera“, die konsequent auf die (manchmal) falsche Kopplung der Bewegungslinien abzielt und eine ebenso kleine Sequenz aus dem nicht fertig gestellten Film „Fliegende Händler“ der Frankfurter Malerin Ella Bergmann-Michel.

…Filmausschnitt: „MANN MIT DER KAMERA“ (1929)…

Auch Ella Bergmann-Michel teilt die Faszination an der Bewegung, die ja Hans Richter im gleichen Jahr dazu verleitet hat, seinem aktuellen Film den Titel „Alles bewegt sich, alles dreht sich“, zu geben. Und dann wird man gewahr, dass der Motor der Bewegung Menschen sind, die unter dem Karussell es in Bewegung halten und der Bewegungslogik eine andere hinzugefügt wird.

Aber der Film vermag nach Adorno nur schwer die Distanz zu schaffen, die für das Begreifen der Sprache der Dinge notwendig ist. „Die Elemente des Films behalten etwas Dinghaftes.“ „Der Film findet sich vor der Alternative, wie er ohne Kunstgewerbe einerseits, andererseits ohne ins Dokumentarische abzugleiten verfahren solle. Die Antwort, die primär sich darbietet (…), ist die der Montage, die nicht in die Dinge eingreift, aber sie in schrifthafte Konstellation rückt.“

Schrifthafte Konstellation! Von den Filmen der Kulturindustrie dem gegenüber wird gesagt, sie benutzten eine durchgebildete und stereotype Bild-Sprache mit Syntax und Vokabular. Dagegen sind „alle Kunstwerke Schriften, und zwar hieroglyphenhafte, zu denen der Code verloren ward und zu deren Gehalt nicht zuletzt beiträgt, dass er fehlt. Sprache sind Kunstwerke nur als Schrift.“(Ä 189) Das schließt an Kants Bestimmung des Kunsturteils an als freies Spiel zwischen Einbildungskraft und Verstand. Es bestehe im Ästhetischen, schreibt Kant, „eine Gesetzmäßigkeit ohne Gesetz, und eine subjektive Übereinstimmung der Einbildungskraft zum Verstande ohne eine objektive.“ Adorno: „In jedem genuinen Kunstwerk erscheint etwas, was es nicht gibt. Nicht phantasieren sie es aus zerstreuten Elementen des Seienden zusammen. Sie bereiten aus diesen – Konstellationen, die zu Chiffren werden, ohne doch das Chiffrierte, wie Phantasien, als unmittelbar Daseiendes vor Augen zu stellen.“

Hier entnommen: http://www.gerdroscher.net/texte/konstellationen-einer-zwischenzeit

Dr. Silke Horstkotte aus Leipzig: Regimes des Sehens und der Aufmerksamkeit: Literatur, Film, Filmtheorie, 1910-1930

Ein zweites laufendes Projekt wird Gegenstand einer einzeln verfassten Monographie sein. Das Vorhaben mit dem Arbeitstitel „Regimes des Sehens und der Aufmerksamkeit“ untersucht filmische und literarische Inszenierungen neuer Wahrnehmungsmuster und insbesondere einer neuen Fokussierung der Aufmerksamkeit im medialen Umbruch von älteren optischen Apparaturen zur Kinematographie im Zeitraum von etwa 1910 bis zum Ende der Stummfilmära. Zahlreiche Medientexte dieser Zeit thematisieren und präsentieren in selbstbezüglicher Weise die Regimes des Sehens und der Aufmerksamkeit, die sich im Umfeld des neuen kinematischen Mediendispositivs herausbildeten, und demonstrieren, wie die medientechnologische Innovation der Filmvorführung zu einer tief greifenden Dynamisierung der menschlichen Wahrnehmung im Zuge ihrer apparativen Zurichtung führt. Den Horizont der mediengeschichtlichen Untersuchung bildet eine umfassende Reorganisation von Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, insbesondere in Form einer gesteigerten Bedeutung von normativen und apparativen Techniken als eines rezeptionsseitigen Umbruchs von älteren Seh-Regimes hin zur kinematischen Wahrnehmung.

 

Hier entnommen: http://silkehorstkotte.wordpress.com/projekte/