Nachtgedanken – Erkenntnis und Schönheit (Friedrich Nietzsche)

Wie bekommt man sonst jemanden dazu einen frei gewählten (und nebenbei wunderschönen) Text wahrzunehmen? Indem man ihn in ein Video-/Fernsehbild packt. In eine Kiste oder ein Quadrat; vom Quadrat der Schriftseite eines Buches in das Quadrat des Fernsehbildes oder eines jeden anderen Abspielgerätes für Bewegtbilder. So wird selbst aus der Kiste zwischen den anderen Möbeln, eine Zauberkiste die magische Worte spricht. Dass ein Mann diese Worte spricht ist dabei egal, denn wichtig ist das sie gesprochen werden. The medium is the message. Ist es nicht wunderschön, sich vorzustellen wie diese Kiste zwischen den anderen Kisten und nach den Nachrichten versucht, Erkenntnis und im Anschluss, vielleicht etwas Schönes zu vermitteln? Vielleicht ein Film? Ähnlich der guten Nacht; ähnlich dem Ort der Träume – ähnlich dem Ort des Filmes. Welcher Film wäre wohl nach dieser kurzen Lesung gelaufen?
Eines ist sicher: Nietzsche hätte sich wahrlich amüsiert.

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screening #5

 

Harun Farocki – „SCHÖPFER DER EINKAUFSWELTEN“ (DEU, 2001, 75min)

 

FILZ, Do. 22.11.2012, 18:00 Uhr, im Hedis.

 

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ACHTUNG: Die nächsten drei Termine finden DONNERSTAGS um 18:00 Uhr im Hedis statt, da sich die Termine sonst mit STUDIO INTERNATIONAL überschneiden.

 

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Diesmal beschäftigen wir uns mit den Filmen von Harun Farocki. Auf dem Programm stehen bereits „SCHÖPFER DER EINKAUFSWELTEN“ (2001 – 75min) für den 22.11.2012 und „ARBEITER VERLASSEN DIE FABRIK“ (1995 – 35min) am 29.11.2012.

 

 

„Einkaufen ist ein alltagskultureller Akt, selbstverständlich, unvermeidlich. Der Eintritt in die Einkaufswelt, in die Malls, kann zur dantesken Höllenreise oder zum erlösenden Abendmahl werden. Jedem ist diese Erfahrung geläufig und das Erscheinungsbild der Malls gegenwärtig. Diese Selbstverständlichkeit ist das Ergebnis eines hoch-komplexen Vorgangs. Die Gestaltung von Malls wird planerisch, managerial und wissenschaftlich geleitet: Es gibt Berater-Firmen, Relaunch-Analytiker, einen Zentral-verband, Mall-Zeitschriften und einen jährlichen Kongreß in Laß Vergas mit 6000 Teilnehmern und Labors, in denen untersucht wird, wohin der Blick des Kunden fällt oder wie ein „spontaner“ Kaufakt verursacht werden kann. Farockis Film „Die Schöpfer der Einkaufswelten“ sucht ein Bild davon zu zeichnen – und lädt unsere Alltagsbilder magisch auf.“

 

(Text von Antje Ehmann zu „Schöpfer der Einkaufswelten“.)

Film- und Kunstbetrieb

title=“Film- und Kunstbetrieb“>Film- und Kunstbetrieb

Produktionsverhältnisse. Finanzierung von Kunst-Filmen und Film-Kunst.

Da die Filmförderung heutzutage weitgehend nur noch Filme durchfüttert, von denen sie meint, dass sie sich ökonomisch rechnen und die dem vorauseilend nach unten korrigierten Massengeschmack entsprechen, können die Nachfahren und Fortsetzer des alten neuen deutschen Films und andere Avantgardisten ihre Arbeiten oft nur noch im Kunstfeld realisieren.

Kino. Museum. Shopping Mall.

Walter Benjamin im Jahr 1937: „Der Rausch, dem sich der Flanierende überläßt, ist der der vom Strom der Kunden umbrausten Ware.“ Umbrauste Ware: So geht es dem Film im Kunstmuseum. Nicht, dass ihm die Warenform fremd wäre, aber die seine ist eine höchst avancierte: Film (als Ereignis, im Kino) war und ist die in „Dienstleistung“ umgewandelte Ware. Darin liegt auch ein Moment der Freiheit – der Film lässt sich „mieten“ (für den Preis einer Kinokarte), entzieht sich aber dem Zugriff des alten Besitzbürgers. Dessen Logik umfängt den Film erst im Museum, auf der Kunstmesse, in der Galerie.

(… I think that the shopping-mall mentality of the museum means that we don’t physically absorb anything fully, it just passes through us, through our eyes.” …)

Am Beginn einer Podiumsdiskussion zum Schwerpunkt Kinomuseum auf den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen 2007 sagt Chrissie Iles, Kuratorin am Whitney Museum: “There’s no such thing as the cinema versus the museum.” Eine Stunde später hört sich das allerdings anders an: “You can’t watch a painting, let alone watch a film, in a museum anymore. I went to Walter De Maria’s The Broken Kilometer [1979] in SoHo the other day, I walked in from the shopping mall that SoHo now is into The Broken Kilometer and the silence was deafening. It was just incredible. I took two people who had never seen it before and the three of us sat there as if we were in a church, and it was really wonderful and calm. I think going to the cinema does a similar thing when you are sitting there and you are really able to experience something from the beginning to the end. I am actually fed up walking past moving images in museums. I am absolutely bored of it because I don’t take it in. I am trying to figure out how to make a physical space so you can see Robert Beavers’ films and actually take them in. (…) I think that the shopping-mall mentality of the museum means that we don’t physically absorb anything fully, it just passes through us, through our eyes.”

… Es gehe darum, schreibt Racine, „neue Antworten auf die zwei Fragen zu finden, die sich von nun an jeder Institution stellen, die mit Moderner Kunst und Gegenwartskunst befasst ist: Wie soll Film ausgestellt werden? Und wie kann Film den Status eines Kunstwerks erlangen?” Diese Worte stammen nicht, wie zu vermuten wäre, aus dem Jahr 1906. Sie wurden 2006 geschrieben und geben Einblick in eine institutionelle (Diskurs-)Landschaft, in der ein wiedererstarktes besitzbürgerliches Kunstverständnis die avancierten Kunstdiskurse des 20. Jahrhunderts aufgreift, um sie zu negieren.