FILZ, screening #4, Di. 13.11.2012, 19:00 Uhr, im Raum 3.04.

 

Was kann man zusammenfassend über Chris Marker schreiben, ohne die letzten 100 Jahre Geschichte zu erwähnen. Angefangen in der Nachkriegszeit seines physisches Lebens sowie die Zeit davor, die er uns durch seine geschichtliche Aufbereitung hinterlassen hat?

Selbst Christa Blümlinger, eine Chris Marker Expertin, musste diese Aufgabe delegieren. „Marker als Filmemacher zu bezeichnen, griffe zu kurz. Er ist Reisender, Schriftsteller, Essayist, Fotograf, Zeitzeuge, Erzähler, Künstler und vieles mehr – sehr oft alles in einem.“

Seine hartnäckig gehütete (Nicht-)Biographie hat Bernard Eisenschitz anhand von einigen zentralen Bezugspunkten folgendermaßen charakterisiert:

„Widerstand und Befreiung (wo auch immer), der Verein „Peuple et Culture“, in dem auch André Bazin wirkte, die Zeitschrift „Esprit“, das Volkstheater. Man könnte vielleicht auch das Kino hinzusetzen – Marker schrieb zu Beginn der „Cahiers du Cinéma“, unter der Ägide von André Bazin, eine Reihe von Kritiken, schon damals aus fernen Ländern: Deutschland, Mexiko und Hollywood. Ein Zeitgenosse der Nouvelle Vague mit grundlegend anderem Hintergrund, in seinem Schaffen eher ein Verwandter von Resnais, Varda, Rouch und Gatti. Markers Interesse für Literatur und Kino schlug sich zunächst im Schreiben nieder – unter anderem in einem Buch über Giraudoux. Seine kulturellen Vorlieben durchgeistern später seine filmischen Essays und kristallisieren sich in „Immemory“, ob Hitchcock, Chateaubriand, Tarkowski, Rilke oder Michaux, ähnlich wie seine Katzenporträts oder seine Blicke auf Frauengesichter sich wiederholen. Kurosawa und Medwedkin begegnete er persönlich und widmete ihnen ganze Fil!

me, das Drehen von „Ran“ in „A.K.“ und die Geschichte des Kino-Zugs („Le tombeau d’Alexandre“) sind bei Marker aber jeweils kein bloßes Dabei-Sein oder Erzählen, sondern immer eine assoziationsreiche Annäherung an eine Arbeitsweise, ein Leben, eine Welt. Markers Betrachtungen zeigen von Beginn an eine Distanz zum Gefilmten, um einen Diskurs über die Geschichte zu ermöglichen.“

(Bernard Eisenschitz)

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