Film- und Kunstbetrieb

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Produktionsverhältnisse. Finanzierung von Kunst-Filmen und Film-Kunst.

Da die Filmförderung heutzutage weitgehend nur noch Filme durchfüttert, von denen sie meint, dass sie sich ökonomisch rechnen und die dem vorauseilend nach unten korrigierten Massengeschmack entsprechen, können die Nachfahren und Fortsetzer des alten neuen deutschen Films und andere Avantgardisten ihre Arbeiten oft nur noch im Kunstfeld realisieren.

Kino. Museum. Shopping Mall.

Walter Benjamin im Jahr 1937: „Der Rausch, dem sich der Flanierende überläßt, ist der der vom Strom der Kunden umbrausten Ware.“ Umbrauste Ware: So geht es dem Film im Kunstmuseum. Nicht, dass ihm die Warenform fremd wäre, aber die seine ist eine höchst avancierte: Film (als Ereignis, im Kino) war und ist die in „Dienstleistung“ umgewandelte Ware. Darin liegt auch ein Moment der Freiheit – der Film lässt sich „mieten“ (für den Preis einer Kinokarte), entzieht sich aber dem Zugriff des alten Besitzbürgers. Dessen Logik umfängt den Film erst im Museum, auf der Kunstmesse, in der Galerie.

(… I think that the shopping-mall mentality of the museum means that we don’t physically absorb anything fully, it just passes through us, through our eyes.” …)

Am Beginn einer Podiumsdiskussion zum Schwerpunkt Kinomuseum auf den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen 2007 sagt Chrissie Iles, Kuratorin am Whitney Museum: “There’s no such thing as the cinema versus the museum.” Eine Stunde später hört sich das allerdings anders an: “You can’t watch a painting, let alone watch a film, in a museum anymore. I went to Walter De Maria’s The Broken Kilometer [1979] in SoHo the other day, I walked in from the shopping mall that SoHo now is into The Broken Kilometer and the silence was deafening. It was just incredible. I took two people who had never seen it before and the three of us sat there as if we were in a church, and it was really wonderful and calm. I think going to the cinema does a similar thing when you are sitting there and you are really able to experience something from the beginning to the end. I am actually fed up walking past moving images in museums. I am absolutely bored of it because I don’t take it in. I am trying to figure out how to make a physical space so you can see Robert Beavers’ films and actually take them in. (…) I think that the shopping-mall mentality of the museum means that we don’t physically absorb anything fully, it just passes through us, through our eyes.”

… Es gehe darum, schreibt Racine, „neue Antworten auf die zwei Fragen zu finden, die sich von nun an jeder Institution stellen, die mit Moderner Kunst und Gegenwartskunst befasst ist: Wie soll Film ausgestellt werden? Und wie kann Film den Status eines Kunstwerks erlangen?” Diese Worte stammen nicht, wie zu vermuten wäre, aus dem Jahr 1906. Sie wurden 2006 geschrieben und geben Einblick in eine institutionelle (Diskurs-)Landschaft, in der ein wiedererstarktes besitzbürgerliches Kunstverständnis die avancierten Kunstdiskurse des 20. Jahrhunderts aufgreift, um sie zu negieren.

Ein Gedanke zu “Film- und Kunstbetrieb

  1. ich finde die Metapher MALL = Museum eigentlich ganz passend, wenn es darum geht film darin auszustellen. „Der Rausch, dem sich der Flanierende überläßt“ – Benjamin trifft den Nagel wiedermal auf den Kopf.
    was meint ihr?

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