awordwithharold: Ende der Cinéphilie/End of Cinema?

Für viele ist der „Black Cube“, in welchem Bild und Ton für durchschnittlich anderthalb Stunden zu einer filmischen Behauptung zusammenkommen, ein nur noch gelegentliches Freizeitvergnügen. Natürlich sind die Multiplexkinos Freitags und Samstags noch immer voll, doch geht es mir um die Art von Film, deren Auseinandersetzung eine etwas mehrschichtige Denkdimension einfordern – in der Regel sind es die schlecht besuchten Prestigehäuser einer jeden Stadt die diesen Werken ihre Leinwand überlassen. Und dennoch sehen sich viele Menschen beinahe täglich Filme an. Nicht ganz unwesentlich für diese Entwicklung maßgeblich ist ein verändertes Verständnis von Filmkonsum: Anstatt sich dem traumverwandten Zustand der audiovisuellen Wirkung des Kinos auszusetzen, bevorzugen viele schlicht den Film zu gegebener Zeit ansehen zu können. Das Lichtspielhaus hat feste Spielzeiten, der Film aus dem Internet ist jederzeit abrufbar. Zudem kann ich zuhause den Film unterbrechen,  problemlos dabei rauchen und auch – das muss hier auch erwähnt werden – recherchieren. Nun ist es in Sachen Aufmerksamkeit ein Unterschied, ob ich mir einen Film von vorne bis hinten ansehe oder in Ausschnitten. Eine Sichtung in Etappen kann durchaus angebracht sein. Bei all den Vorteilen: Weshalb sollte ich also für das Kino Geld ausgeben? Ganz einfach: An der Kinokasse bezahle ich dafür die Gelegenheit zu bekommen mich fallen lassen zu können. Oder aber ich bin tatsächlich cinéphil und habe keine andere andere Wahl. Als Cinéphiler betrachte ich das Kino als Tempel, Filme als Artefakte der zeitlichen Vergänglichkeit. Auch sie kann ich nicht anfassen, doch ich kann darüber sprechen und mich mit anderen Menschen über andere Wirkungsebenen austauschen. Nur im Kino entfaltet ein Film seine sämtlichen Wirkungsebenen. Die Cinéphilie bzw. die damit einhergehende Faszination Filme zu betrachten bleibt Menschen mit einer starken Empathie für das Erhabene am Film vorbehalten. Und diese werden weiterhin ohne Weiteres die Suche nach den richtigen Lichtspielhäusern in Kauf nehmen. Das Internet hat zu keiner Zeit eine bedrohliche Alternative dargestellt. Fragen der Rentabilität interessieren bei dieser Betrachtung nicht.

alias Harold Wany

Eine nationale Institution: Das Kino Arsenal in Berlin

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