Kunstpraxis vs. Kunstvermittlung?

Grundfragen 

Während Didaktik in der Zeitgenössischen bzw. Bildendenden Kunstpraxis weitestgehend verpönt ist, weist bereits der Begriff « Filmvermittelnde Film » auf einen starken Bezug zu ihr hin. Auch wenn Filmvermittelnde Filme nicht zwingend im pädagogischen Bereich einzusetzen sind, geht es immer um eine gewisse Form der Wissensvermittlung. In der Zeitgenössischen Kunst wird ursprünglich zwischen Produzenten (Künstler) und Kunstvermittler getrennt, doch sind heutzutage die Grenzen immer fließender. Nicht wenige Künstler (gerade nach dem akademischen Abschluss an der Kunsthochschule) arbeiten nebenbei in kunstvermittelnden Funktionen – sei es nun aus finanziellen Gründen oder aus anderen. Filmvermittlung sollte demnach inzwischen problemlos im Feld der künstlerischen Praxis  untersucht werden können.

Gemeinsamkeiten

Das Verhältnis von Künstler, Gesellschaft und Kunstwerk veränderte sich über die Jahre. Obgleich die Postmoderne womöglich bereits vorbei ist, reflektieren viele Betrachtungen der Arbeit noch über diese Epoche, greifen aber bereits auf eine neue vor. Die Postmoderne bezeichnet im allgemeinen Verständnis den Zustand der (abendländischen) Gesellschaft, Kultur und Kunst. Kunstwerke aus der Postmoderne stammend, nehmen Bezug auf die herrschenden politischen Gegebenheiten, trachten auf der anderen Seite nach einer wachsendem Offenheit der Kunst. Filmvermittelnde Filme greifen exemplarisch Ausschnitte kultureller Produktionen auf um sie zugänglich zu machen bzw. um sie einer weiteren Ebene der Betrachtung zu überführen. In einer Zeit der Veränderung* machen postmoderne Ansätze und Postulate immer weniger Sinn. Veränderungen von Denken und Gesellschaft, Kunst und Philosophie, Politik und Ökonomie vor allem des westlichen Kulturkreises drängen nach einer neuen Epoche. Die Dinge sind nicht mehr wie vorher, aber wie schafft man es sie zu greifen zu bekommen? In der Bildtheorie sind Bilderfluten aufgrund der technischen Innovationen gleichwohl unaufhaltsam wie auch beängstigend. Das einzelne Bild scheint nicht weiter relevant zu sein da es nur eines im Glied einer unendlichen Kette ist und zudem problemlos ersetzt werden kann. Es ist demnach umso wichtiger fallexemplarisch zu arbeiten und das Abbremsen der Gleichgültigkeit gegenüber Bildproduktionen zuzulassen. Erst wenn das Verständnis für das einzelne Bild und seine Inhalte auf und hinter der Oberfläche bekannt sind, kann überhaupt erst eine Trennung zwischen Kunstwerk und Massenware passieren. Filmvermittelnde Filme verstehe ich daher als eine interventionistische Maßnahmesie können dann Einfluss auf die Gesellschaft nehmen, wenn Betrachter nach Sichtung und Reflexion eine erhöhte Sensibilität davontragen. 

Alain Bergalas Klassiker „Kino als Kunst: Filmvermittlung an der Schule und anderswo„** von 2006 hat hierzulande eine Monopolstellung

 

 

 

 

 

 

*  Max Heine auf: http://le-bohemien.net/2013/02/25/die-postmoderne-ist-tot

** Originalveröffentlichung: L’hypothèse cinéma (Petit traité de transmission du cinéma à l’école et ailleurs), Ed. Cahiers du cinéma, 2002.

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