L’Algérie, de Gaulle et la bombe

Während in den Verträgen von Evian 1962 bereits ein Waffenstillstand vereinbart war, wurden die französischen Atombombenversuche in der Sahara fortgesetzt. Die Explosionen mit einer Sprengkraft um ein Vielfaches stärker als die Bombe von Hiroshima, die am Himmel über Algerien blendeten, und die Ausmaße des Atomwaffenprogramms zeigt L’Algérie, de Gaulle et la bombe.

 

Zu sehen im Haus der Kulturen: http://www.hkw.de/de/app/kalender/index

AWORDWITHHAROLD: Von der Illusion einer Postmoderne

Nach Lyotard entfaltet sich die Moderne im »Zurückweichen des Realen und als das erhabene Verhältnis von Darstellbarem und Denkbarem«.1 Für Peter Krieg hat die Postmoderne gerade für den Dokumentarfilm grundlegende Konsequenzen. Er sieht in der Postmoderne die Entbindung des Dokumentarfilms vom Vor- oder Festschreiben einer verbindlichen Wahrnehmung als Voraussetzung von Wahrheits- und Realitätskonzepten.2 Es scheint wirklich so als sei es inzwischen nur noch schwerlich möglich einen Dokumentarfilm als reinen Dokumentarfilm zu bezeichnen. Filmbearbeitung wird immer einfacher wie auch die Aufnahme professioneller Bilder. Vor allen Dingen ist aber die Beschaffung von Bildern – seien es eigene oder fremde – kinderleicht. Aus dieser Entwicklung heraus entstand ein heutiges völliges Selbstverständnis darüber, Fremdbilder und selbstproduzierte Bilder zu vermischen. Es ist daher darüber nachzudenken, ob denn solche Mischformen heutzutage – ich möchte sie pauschal als »Videoessays« bezeichnen – ein neues Verständnis von Wirklichkeit einfordern. Die Wirklichkeit ist als interpretierbare Variable zur eigenen Wirklichkeit geworden, deren Verteidigung und Untermauerung ein individueller Prozess zu werden scheint. Eine behauptete Wirklichkeit, wie sie zum Beispiel in Facebook-Profilen zu finden ist, befindet sich immer im Bereich des Unsicheren. Sowohl dem Betrachter des Profils ist klar dass nur selektierte Inhalte hochgeladen werden, und auch der Profilbetreiber denkt beim Hochladen an den potentiellen Leser, der das Bild vom Profilbetreiber so klar wie möglich behalten möchte. Digital Storytelling hat als Vorlage das echte Leben. Inzwischen bieten Unternehmen3 an, das Facebook-Profil als Buch zu drucken – nur wenige Klicks initiieren diesen Vorgang. Das Resultat ist eine Art Storyboard einer multimedialen Reproduktion des Realen, welches plötzlich aus der virtuellen Welt heraustritt und zu einem physisch erfahrbaren Erlebnis wird (Buch).

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1Lyortard, Jean-François (): Beantwortung der Frage: Was ist postmodern. S. 45.

2Krieg, Peter (1990): WYSIWYG oder das Ende der Wahrheit. Dokumentarfilm in der Postmodern, in: Heller, Heinz B./Zimmermann, Peter (Hg.): Bilderwelten, Weltenbilder. Dokumentarfilm und Fernsehen. S. 93.

3Die Firma SOCIALBOOK bietet folgende Dienstleistung an: Der Blog, ob Facebook oder ein anderer, kann direkt in ein Buchformat übertragen werden, was einerseits die Leserichtung bricht und anderseits sich der Form eines klassischen Tagebuchs annähert.  

Buchtipp: Expanded Narration. Das Neue Erzählen

»Ce qui se réalise dans mon histoire n’est pas le passé défini par ce qui fut puisqu’il n’est plus, ni même le parfait de ce qui a été dans ce que je suis, mais le futur antérieur de ce que j’aurai été pour ce que je suis en train de devenir.«

»Was sich in meiner Zukunft verwirklicht, ist die zweite Zukunft dessen, was ich gewesen sein werde, für das, (…) was ich dabei bin zu werden.« in : Lacan, Jacques (1966): Fonction et champ de la parole et du langage en psychanalyse, in: Kracke, Bernd/Ries, Marc (Hrsg.)(2013): Expanded Narration. Das Neue Erzählen. Bielefeld: Transcript, erstmals veröffentlicht in: La psychanalyse, n° 1, 1956, Sur la parole et le langage, S. 81-166.

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