Von der Reparatur beschädigter Erinnerungen: „Stories we tell“ von Sarah Polley

Wie geht man als FilmemacherIN mit Archivmaterial der eigenen Familie um? Ist der notwendige Abstand – er gewährt erst den professionellen Arbeitsmodus – zum Sujet da? Selbstreflexive Dokumentarfilme sind nicht neu, und natürlich liegt es nah die eigene Geschichte aufzuarbeiten. So begleitete David Sieveking beispielsweise seine Mutter mit der Kamera – auch hier geht es um den Zugriff auf Erinnerung, welcher – in dem Fall durch die Alzheimer-Erkrankung der Mutter des Filmemachers – eine Einschränkung erfährt. Dokumentarfilmemacher möchten die Dinge tunlichst real wiedergeben, doch ist bei eintretendem Schamgefühlen das Drehbuch nicht einfach einzuhalten. Sarah Polley hat eine spannende Geschichte zu erzählen. Jahrelang schleppte sie diese mit sich herum bevor der Entschluss, einen Film daraus zu machen, dann schließlich doch in die Tat umgesetzt wurde. Was wenn nicht genug Archivmaterial vorhanden ist oder aber die Familie sich gegen eine Einarbeitung der Aufnahmen stellt? Polley entscheidet sich für eine Inszenierung ihrer familiären Vergangenheit. Während der Vater die Geschichte wie ein roter Faden durch den Film trägt, dabei selbst in realita aber auch von einem Schauspieler gemimt auftritt, demaskiert die Filmemacherin immer wieder ihre eigene Rolle als Filmemacherin. Auch lässt sie den Produktionsprozess des Films transparent erscheinenen in dem sie zum Beispiel Interviews mit Angehörigen durch eigentliche outtakes authentifiziert oder aber die Schauspieler beim Schminken zeigt. Das schafft anfänglich Irritation, denn erst später wird deutlich dass die Super-8 Aufnahmen sich mit der Gegenwart vermischen. Ob die Geschichte so wie sie Polley über Jahre hinweg als wahr angenommen hat, faktisch durch neue Informationen berichtigt wird und somit Erinnerungen überschreibt, diese Frage beantwortet die Regisseurin in der Weise, dass sie eine eindeutige Antwort nicht als zwingend angebracht klassifiziert. Vielmehr macht sie deutlich dass Erinnerungen immer nur Konstrukte sind, die auf Annahmen vieler verschiedener Autoren basiert. Ein sehr schöner Film.

 

 

TRANSPOSED BODIES – FREMDKÖRPER

http://catalog.c3.hu/index.php?page=work&id=872&lang=EN

a film by Gusztáv Hámos, Katja Pratschke
Modern adaptation of the Thomas Mann novella, Transposed Heads. Fremdkörper (Transposed Bodies) is reminiscent of the aesthetics of the classic photo-films by Chris Marker and the conceptual romantic films of the Nouvelle Vague. Though the story of Jan and Jon and their shared love Marie immediately reminds us of Truffaut’s Jules and Jim, the almost captivating and suggestive narrative turns out to be a highly topical reflection on genetics and human identity. (Daniel Kothenschulte)

Ein Mann der schläft – Un homme qui dort (Queysanne, Perec – 1974)

 

 

Ein Mann der schläft
Ein Mann der schläft (französisch Un homme qui dort) ist ein Roman des französischen Schriftstellers Georges Perec, der im Jahr 1967 veröffentlicht wurde. Der Protagonist, ein 25-jähriger Student, verweigert sich von einem Tag auf den anderen dem Leben und zieht sich in Isolation und Gleichgültigkeit zurück. Die Handlung hat autobiografische Wurzeln. Perec litt in jungen Jahren selbst an einer ähnlich verlaufenden Depression. Die Umsetzung zeichnet sich durch zahlreiche intertextuelle Verweise auf andere Werke der Literaturgeschichte aus. Auffällig ist auch die formale Gestaltung: Der kurze Roman steht überwiegend im Präsens und in der Du-Form. Er zählt zu den am geringsten untersuchten Hauptwerken George Perecs und entstand noch vor dessen Mitgliedschaft in der Autorengruppe Oulipo. Eine Verfilmung des Autors gemeinsam mit Bernard Queysanne erhielt 1974 den Jean-Vigo-Preis. Eugen Helmlés deutsche Übersetzung blieb lange unveröffentlicht und erschien erstmals im Jahr 1988.

 

Verfilmung

 

Im Jahr 1973 verfilmte Perec gemeinsam mit dem Regisseur Bernard Queysanne den Roman unter dem Titel Un homme qui dort.[40] Die Hauptrolle spielte Jacques Spiesser, Ludmila Mikaël las Passagen aus dem Roman. Durch die weibliche Stimme sollte eine eindeutige Zuordnung des „Du“ als innerer Monolog unterbunden und die ambivalente Erzählperspektive des Romans beibehalten werden. Der in Schwarz-Weiß gedrehte Film setzt neben seiner Hauptfigur vor allem wenig bekannte Pariser Winkel ins Bild. Abweichend von der Romanvorlage beruht die Verfilmung von Un homme qui dort auf mathematischen Prinzipien. Sechs Sektionen des Films zeigen exakt dieselben Dinge, Plätze und Bewegungen, die jedes Mal durch andere Kamerawinkel aufgenommen werden. Auch Text und Musik beruhen auf einer sechsteiligen Permutation und passen – mit Ausnahme weniger zufälliger Momente sowie der Schlussequenz – nicht zu den gezeigten Bildern.
Beide Regisseure gaben an, privat Hollywood-Produktionen gegenüber Kunstfilmen vorzuziehen, auch den Kinoketten war der Film zu experimentell. Erst die Verleihung des Jean-Vigo-Preis im März 1974 führte schließlich doch zu einer kommerziellen Veröffentlichung. Der Film lief vom 24. März bis zum 8. Oktober 1974 in den französischen Kinos und wurde auf verschiedenen internationalen Filmfestivals gezeigt. Es entstanden eine englische und eine italienische Sprachfassung.[41] 2007 wurde Un homme qui dort in einer DVD-Fassung veröffentlicht, die auch eine deutsche Tonspur, gesprochen von Andrea Kopsch, enthält.

 

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DADA im LURU: GEGENkino präsentiert am 12.04.2014 in Leipzig Jaap Blonk

Jaap Blonk ist Dr Voxoid & „Deutschland Dada“ (D 1969, R: Helmut Herbst, 61′, dF, 35mm)

Der niederländische Lautpoet JAAP BLONK wird seine audiovisuelle Performance DR.VOXOID vorstellen. (c) Jaap Blonk_1

 

 

 

 

 

 

Dada ist Chaos, Spontaneität und Spott, ist Infantilismus par excellence, doch dabei charmant. Dada ist spielerischer Ernst, nihilistischer Protest, radikaler Überfall – gegen und auf die Künste, auf jeglichen Sinn in allen Künsten. Dada ist Vertreterin eines Unsinns, der beileibe kein Blödsinn sein will. Von den technischen Möglichkeiten Filme zu machen, waren in den 1910er und 20er Jahren Dadaisten wie Hans Richter, Man Ray oder Viking Eggeling fasziniert. Technik und ästhetisches Experiment flossen zusammen zu kleinen Filmen, visuellen Störungen, die späteren Generationen experimenteller FilmemacherInnen als Inspiaration diente. Helmut Herbsts Filmklassiker „Deutschland Dada“ dokumentiert die Auswirkungen der weltweiten dadaistischen Explosion in einem Dada-Alphabet. Neben anderen sprechen Raoul Hausmann, Richard Huelsenbeck und Hans Richter über die seltenen Momente, in denen sich radikaler gesellschaftlicher Protest und radikale Kunst kurzfristig miteinander verbündeten. Dada ist immer schon ein medienübergreifendes Phänomen. Deswegen wird der Film im Anschluss ganz wunderbar ergänzt durch die Performance des niederländischen Lautpoeten Jaap Blonk, einem der profiliertesten Vertreter seines Fachs weltweit. Blonks sehr physische Auftritte streben danach ein Kino fürs Ohr zu erzeugen und artikulieren damit eine dadaistische Poesie, bei der Sprache als Klang aufgefasst wird. Das Geschriebene ergibt keinen erzählerischen Sinn, sondern ist Material für komponierte Laut-Artikulationen, die Sie so garantiert noch nie erlebt haben

2 April 2014, 9 Uhr LuRu-Kino ||| 8€/6€ (red.)

 

Luru Kino in der Spinnerei

Spinnereistr. 7

04179 Leipzig

Jaap Blonk im LURUKINO_Stopper

Mehr Infos

 

Trilogie zum Gedächtnis: Toute la mémoire du monde, Alain Resnais, 1956

Ein filmischer Essay von Resnais, Marker und Varta (Left bank Gruppe) der zusammen mit »Les statues meurent aussi« und »Night and fog« eine Trologie um das Thema Gedächtnis darstellt. In dem Film versucht Resnais das gewaltige Archiv der Bibliothèque Nationale als Gesamtgedächntis der Welt zu behaupten. Die Bibliothek gleich ferner, mit ihren uniformierten Mitarbeitern und endlosen Korridoren, einem Gefängnis. Der Film wurde 2001 von W.G. Sebald in dessen Novelle Austerlitz aufgegriffen. Die Glanzleistung Resnais & Co. besteht in der großartigen metaphorischen Umsetzung einer Idee, deren Inhaltlichkeit eigentlich brutal und kalt ist – durch die poetische Transformation (woran viele vormals erbärmlich zu scheitern wussten) wird dem Betrachter ein neuer und erkenntnisgewinnender Zugang gewährt. 

Harun Farocki: »Ernste Spiele« im Rahmen der Konferenz IMAGE OPERATION am 10.04.2014 in Berlin

Image Operations (Berlin, 10-12.04.2014)

ICI Kulturlabor, Berlin, April 10 – 12, 2014

Manche Bilder greifen direkt in die Welt ein und verändern sie in
weitreichender Weise. Als Teil medialer Praktiken erschaffen sie
Ereignisse, wirken sich unmittelbar und konkret auf Menschen und
Körper aus. Besonders markant sind solche Bildoperationen im Krieg,
bei terroristischen Anschlägen und in politischen Kampagnen von NGOs –
aber auch in der Medizin. International führende Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler diskutieren die konstitutive Rolle von Bildern und
ihre ethische Problematik auf der Internationalen Tagung Image
Operations, die von der Kunsthistorikerin Charlotte Klonk
(Humboldt-Universität) und dem Medienwissenschaftler Jens Eder
(Universität Mannheim) organisiert und in Kooperation mit dem ICI
Berlin durchgeführt wird.

10.04.2014: 18:30 – 20:15 Harun Farocki: Ernste Spiele  (Filmscreening)

Komplettes Programm unter:

http://www.kunstgeschichte.hu-berlin.de/veranstaltungen/tagung-image-operation/