„VOM ENDE EINER SUCHE“, Ein Nachruf auf Peter Liechti (8. Januar 1951 – 4. April 2014)

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Der Schweizer Filmemacher Peter Liechti gehörte zweifelsfrei zu den wichtigsten Essayisten und Suchenden der Gegenwart. Selten ist ein Künstler so vehement seinen eigenen, wenn auch manchmal schwer zu folgenden Weg gegangen. Seine Anfangsphase war stark von der Zusammenarbeit mit Roman Signer geprägt. Sein erster Kinofilm: Signers Koffer ist sicher zu den wenigen Porträts zu zählen, die sich nicht allein von der Persönlichkeit des Künstlers ernähren, sondern eigene formale und inhaltliche Wege gehen. Da es ihm nicht möglich war eine Kunstakademie im Ausland zu besuchen, ließ er sich zum Zeichenlehrer ausbilden. Die Kunstszene empfand er schon immer als abstoßend und so wandte er sich dem, aus seiner Sicht volksnäheren Medium Film zu. Auch fand er hier sämtliche für ihn bedeutenden Bestandteile der Kunst vereint: den Text, den Ton, die Musik und das Bild.

Wenn man so will sind seine Heimatfilme, jene die am meisten über die menschliche Existenz erzählen.Er selbst meinte in einem Interview, dass er nie so viel über die Schweiz lernte wie auf seinen Reisen durch Afrika. In seinem großartigen Hans im Glück, von einem der Auszog das Rauchen aufzugeben, folgen wir ihm dreimal dabei wie er von seinem Wohnort Zürich zu Fuß in seinen Geburtsort St. Gallen zurückkehrt. Obwohl er dabei jeweils nur 75 Kilometer zurücklegt, stellt sich das Gefühl ein, ihn auf einer Weltreise zu begleiten. Die Klarheit seiner Gedanken, die verblüffende Offenheit und sein sensibler aber sehr direkter Umgang mit Menschen, sind nur einige der Geschenke die er dem Zuschauer darin macht. Der Ruhm kam verspätet, seit letztem Jahr wurde er in mehreren Retrospektiven: auf dem DOK Leipzig, den Solothurner Filmtagen und im Arsenal Berlin geehrt, doch konnte er aufgrund seiner Krankheit zu letzterer nicht mehr erscheinen. Selbst den Schweizer Filmpreis vermochte er nicht persönlich entgegenzunehmen.

In seinem letzten Film Vaters Garten, die Liebe meiner Eltern ein würdiger Abschluss eines vielschichtigen Werkes, fragt er seine Mutter ob er in den Himmel kommt. Ihr darauf folgendes Schweigen soll nicht die letzte Antwort gewesen sein. Mit ihm ist eine Stimme erloschen, die zu wenig gehört wurde, die Welt hat nun Zeit dies nachzuholen.

 

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