Luigi Russolo »Die Geräuschkunst«

Luigi Russolo
MAILAND, 11, März 1913.

Auszug aus dem Kapitel 1: Futuristisches Manifest aus Luigi Russolo

… Durchqueren wir eine grosse moderne Hauptstadt, die Ohren aufmerk-samer als die Augen, und wir werden daran Vergnügen finden, die Wirbel von Wasser, Luft und Gas in den Metallrohren zu unterscheiden, das Ge-murmel der Motoren, die unbestreitbar tierisch schnaufen und pulsieren, das Klopfen der Ventile, das Hin-und-her-laufen der Kolben, das Kreischen der mechanischen Sägen, das Holpern der Tramwagen auf ihren Schienen, die Schnalzer der Peitschen, das Knistern der Vorhänge und Fahnen. Wir werden uns damit unterhalten, das Getöse der Rolläden der Händler in unserer Vor-stellung zu einem Ganzen zu orchestrieren, die auf- und zuschlagenden Türen, das Stimmengewirr und das Scharren der Menschenmengen, die ver-schiedenen Getöse der Bahnhöfe, der Eisenhütten, der Webereien, der Druckereien, der Elektrozentralen und der Untergrundbahnen….

Jedermann wird übrigens zugeben, dass jeder Ton eine Hülle von bereits bekannten und abgenutzten Empfindungen mit sich trägt, die den Hörer für Langeweile anfällig machen, ungeachtet der Anstrengungen aller Innovatoren unter den Musikern. Wir Futuristen haben die Harmonien der grossen Meister alle tief geliebt und genossen. Beethoven und Wagner haben wäh-rend vieler Jahre unsere Nerven erschüttert und Herzen bewegt. Heute sind wir ihrer überdrüssig und geniessen es viel mehr, die Geräusche der Tram, der Explosionsmotoren, Wagen und schreienden Menschen-mengen in unserer Vorstellung zu kombinieren, als beispielsweise die »EROICA« oder die »PASTORALE« wiederzuhören.

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Quelle: Auszug aus dem Kapitel 1: Futuristisches Manifest aus Luigi Russolo, »Intonarumori«, Mailand, 1916. Hier In der Übersetzung von Justin Winkler und Albert Mayr, Akroama, The Soundscape Newsletter Europe Editions, Basel 1999 und
http://www.rol3.com/vereine/klanglandschaft

Russolos Text basiert auf dem Manifest von 1913 (Manifesto futurista, Milano, 11 marzo 1913), das 1916 in seinem Buch als erstes Kapitel aufgenommen wurde.

 

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