Information overload: vom Zwang ohne Weiteres alles tun zu müssen

Man hört und liest es allerorts, wenn man es drauf anlegt: Die Möglichkeiten des Webs mit den damit verbundenen Konsequenzen für den Alltag, eröffnen zwar einerseits ein schier grenzenloses Angebot an Informationen zu fast allem, gepaart mit der Möglichkeit einer 24Std.-Kommunikation von überall aus –gleichzeitig scheint uns genau das zu überlasten. Escape! Seit einiger Zeit werden Diskussionen zur Eindämmung dieser Überflutung geführt – oft polemisch da pressewirksam inszeniert: Der Mensch kann eben nur begrenzt wahr- bzw. vielmehr aufnehmen. Das Phänomen soziologischen Ursprungs geht oft einher mit der Schlussfolgerung: Weniger ist mehr! Plötzlich entwickeln Menschen konfessionsunabhängig ein Interesse für selektierte buddhistische Gepflogenheiten, nämlich die Dinge gut zu machen, wenn man sie in Ruhe ausführt. Der amerikanische Schriftsteller John Steinbeck ermahnte ja schon früh: »Man verliert die meiste Zeit damit, dass man Zeit gewinnen will«. So, als ob die Möglichkeit alles gleichzeitig tun zu können, auch den Zwang bedeuten würde, genau dies zu bewerkstelligen. Die Notwendigkeit der Selbstverantwortung hat Hochkonjunktur. Alles zu gegebener Zeit zu erledigen – Zeitmanagementkurse boomen wie nie zuvor. Technik wird gleichzeitig als komplex und auch als unheimliche Vereinfachung wahrgenommen. Es scheint zwei Lager zu geben, deren Fronten verhärtet sind. Auf ein Smartphone verzichten, das möchte kaum einer mehr, doch muss es denn immer und überall benutzt werden, fragen sich die sich im Recht glaubenden Skeptiker? Da es keine richtig oder falsch-Lösung gibt, keine Anleitung zur »korrekten« Verwendung von Multimedia-Interfaces, ist auch kein Abklingen der Diskussion zu erwarten. Dem information overload bleibt nichts anderes als eine gewisse neudefinierte (und selbsterruierte bzw. auf sich selbst zugeschnittene) Disziplin entgegenzustellen. Alles andere wäre ein wenig einfach. 

cr: Nicolas Rossi

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