DOK LEIPZIG: „Sansui, Landschaft“ von Nina Wiesnagrotzki und „Jedes Bild ist ein leeres Bild“ von Christoph Faulhaber

von Nicolas Rossi

Dass Absolventen von Kunsthochschulen inzwischen wie selbstverständlich Beiträge für Dokumentarfilmfestivals bereitstellen, darf als eine befreiende Tatsache und zeitgenössische Entwicklung betrachtet werden. Und es war gleich zwei mal die Hamburger Kunsthochschule HFBK, die ihre herausragende Ausbildungsleistung präsentierte. Beide filmische Arbeiten, eigentlich sehr unterschiedliche, wussten das Publikum zu begeistern.

sansui

Zunächst das sensibel beschrittene Werk der jungen Installationskünstlerin Nina Wiesnagrotzki, die ihre japanisch-deutsche Biografie mit der Beziehung von Japanern zu Bergen kontrastiert. Die Off-Stimme steuert sie selbst bei. Die bayerische Nuancierung ihrer Aussprache ist es, die als textliche und ironisierende Rahmung des essayistischen Videos fungiert. Was den Film auszeichnet, ist eine sichtbar überlegte Struktur der Text- und Bildebene sowie die fragmenthafte Konstellation der thematischen Überlegung. Wie Nina Wiesnagrotzki, kommt auch Christoph Faulhaber aus der Bildenden Kunst. Er gibt mit seinem Film nichts anderes wieder als sein eigenes Schaffen der letzten Jahre; und das in Form eines viralen und ineinander verflochtenen Videoessays, der Faulhaber zwar bloßstellt, dieser aber denkbar gut dabei weg kommt. Faulhabers Aktionen sind grenzwertig, wie sich aber beim anschießenden Interview herausstellt, sorgfältig geplant. Das subversive Moment vermag der ehemalige Student der HFBK zu personifizieren, auch wenn das mitunter Ausflüge in den Bereich der Kitschwelt mit sich bringt. Etwaige Verluste nimmt Faulhaber hin, denn das Scheitern ist kein Grund der Sache einen Abbruch einzugestehen. Meisterhaft gelingt Faulhaber die Einbindung von Computerspielbildern in die narrative Gestaltungsebene. Immer wieder vermischen sie sich mit Videoaufnahmen, stetig gibt es zeitliche Verschiebungen und mediale Überlagerungen, ohne aber dabei das Rezeptionserlebnis negativ zu beeinflussen. Virtuelle Bilder mit einzubeziehen war eine gewagte Entscheidung, die jedoch dem politischen Sachverhalt von Faulhabers Engagement in einer konstruktiven Art und Weise entspricht. Der Film ist nämlich auch deshalb so relevant, skizziert er doch ziemlich gnadenlos einen medial präsenten Künstler, der sich eine geltende Politik der Bilder selbst erschaffen möchte.

faulhaber_sm

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