Empfehlung: Die Welt als Serie – die Serie als Welt im Deutschlandfunk

Erzählen im Wandel

Die Welt als Serie – die Serie als Welt

Von Markus Metz und Georg Seeßlen

Wie also beginnt die Geschichte?

Mit Unterscheidungen!

Dies ist der Tag und dies die Nacht. Dies ist rund und dies ist spitz. Dies ist Mann und dies ist Frau. Dies ist Freund und dies ist Feind. Dies ist gut und dies ist böse.

Und nun kannst du mit der Indikation beginnen.

Dies ist ein Baum. Dies ist ein Fluss. Dies ist ein Mensch. Dies ist ein Freund. Dies ist der Mann, den sie Wildwasser nennen. Dies bin ich!

Du hast Unterscheidungen. Du gibst Namen. Was willst du noch?

Grenzen will ich! Und Ordnungen! Ich will in den Dingen sehen, wie sie wiederkehren und sich gleich bleiben. Und ich will sehen, wie sie sich verändern und trotzdem wiederholen. Ich will das Zeichen. Ich will das Bild. Ich will die Erzählung. Ich will den Zyklus. Ich will: Die Serie.

So also wirst du leben. In Zeichen und Bildern. In Erzählungen und Zyklen. In Serien. Oh ja, du wirst in Serien leben.

Der Trost, den das serielle Weltbild einst vermittelt hat, verschwindet aber auch. Beinahe ist das Ende eine Erlösung. Wenn es denn kommt. Vielleicht ist das Schlimmste, was in einer der neuen Serien geschehen kann, dass es immer so weiter geht. In einer Welt, in der das Serielle nicht mehr hilft, keine Harmonie, keine Geborgenheit, keine Ordnung und keine Heimat mehr erzeugt.

Der Tod der Serie bedeutet die Serialisierung des Todes. Vielleicht.

 

im Deutschlandfunk Essay und Diskurs

 

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