FILZ VIDEO-LABOR 16.&17.9. Leipzig

VIDEOLABOR

FILZ zeigt WORK in Progress während des Spinnerei-Herbst Rundgangs.

16.&17.9. je von 11 – 19.00 Uhr

Baumwollspinnerei Leipzig

HALLE 14 1.OG Raum 10

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FILZ-exhibition: 40h, max. 2 Monate (work in progress) – Stefanie Schroeder

Bildschirmfoto 2017-08-18 um 11.14.12

25.8. – 8.10.2017 Museum für Fotografie Berlin  

Stefanie Schroeder participated in a program for business optimization in an effort to speed up the process of becoming a self-employed artist and to end her dependence on state funding. The employment office determines whether they will grant self-employment status based on the development projection calculation submitted in this process. Stefanie Schroeder’s proposal to make a film documentation of the process was denied. She transformed recordings of conversations, handouts, and correspondence into a script of her “project on the artistic business personality,” parts of which were filmed before the script was completed. The role models of artist, entrepreneur, and welfare recipient—all played by Stefanie Schroeder—meet in the script scenario.

INVITATION PDF

 

Empfehlung: Die Welt als Serie – die Serie als Welt im Deutschlandfunk

Erzählen im Wandel

Die Welt als Serie – die Serie als Welt

Von Markus Metz und Georg Seeßlen

Wie also beginnt die Geschichte?

Mit Unterscheidungen!

Dies ist der Tag und dies die Nacht. Dies ist rund und dies ist spitz. Dies ist Mann und dies ist Frau. Dies ist Freund und dies ist Feind. Dies ist gut und dies ist böse.

Und nun kannst du mit der Indikation beginnen.

Dies ist ein Baum. Dies ist ein Fluss. Dies ist ein Mensch. Dies ist ein Freund. Dies ist der Mann, den sie Wildwasser nennen. Dies bin ich!

Du hast Unterscheidungen. Du gibst Namen. Was willst du noch?

Grenzen will ich! Und Ordnungen! Ich will in den Dingen sehen, wie sie wiederkehren und sich gleich bleiben. Und ich will sehen, wie sie sich verändern und trotzdem wiederholen. Ich will das Zeichen. Ich will das Bild. Ich will die Erzählung. Ich will den Zyklus. Ich will: Die Serie.

So also wirst du leben. In Zeichen und Bildern. In Erzählungen und Zyklen. In Serien. Oh ja, du wirst in Serien leben.

Der Trost, den das serielle Weltbild einst vermittelt hat, verschwindet aber auch. Beinahe ist das Ende eine Erlösung. Wenn es denn kommt. Vielleicht ist das Schlimmste, was in einer der neuen Serien geschehen kann, dass es immer so weiter geht. In einer Welt, in der das Serielle nicht mehr hilft, keine Harmonie, keine Geborgenheit, keine Ordnung und keine Heimat mehr erzeugt.

Der Tod der Serie bedeutet die Serialisierung des Todes. Vielleicht.

 

im Deutschlandfunk Essay und Diskurs

 

„Das Künstlerprekariat sitzt in der Falle“ – monopol Magazin von 2010

monopol – Magazin für Kunst und Leben vom 09.07.2010

Interview mit Chris Dercon

Wir kuratieren uns zu Tode: Chris Dercon über das Elend der Projektemacher, die Ghettos der Kreativen – und über die Frage, ob wir eine Revolution brauchen

Kultur wird nicht mehr als gesellschaftlicher Gegenentwurf eingesetzt, weil die Kultur sich nicht mehr auseinandersetzt mit einer traditionellen Form von Potenzialität: Unsicherheit, Angst und so weiter, das sind keine Themen mehr. Stattdessen bedeutet Kultur: mitmachen. Der Wowereit-Slogan „Arm, aber sexy“ könnte schnell zu einem „Arm, aber noch am Leben“ führen: In Berlin wird der Homo ludens, das künstlerische Prekariat, früher oder später in seiner eigenen Stadt in der Falle sitzen wie in einem Militärkessel – man wird weder hinein- noch hinauskönnen.

Und man redet über Handlungs- und Kommunikationsstrategien: Jeder will ein Kurator sein, möglichst sein eigener Kurator. Ich kuratiere meine Freizeit. Die ersten Kuratoren waren im 16. Jahrhundert die Mönche, die die Reliquien in der Kirche zählten. Sie zündeten für die Priester die Kerzen an. Heute haben wir Kuratoren als Manager und Pseudokreativwirtschaftsspezialiste

Natürlich. So wie jedermann bloggt. Jedermann ist Journalist geworden, jedermann ist auch Webdesigner. Das home office ist das perfekte Bild der Gegenwart. Man kreiert seine eigene Pornografie, seine eigene Kunst, sein eigenes Web, man designt sein eigenes Haus, aber niemand verdient etwas. Es geht um Überlebensstrategien, die geknüpft sind an Virtuositätskonzepte. Lauter verarmte Intellektuelle.

Das größte Problem ist die Disponibilität der Leute. Man ist disponibel, man stellt sich zur Verfügung. Wer das kontrollieren kann durch ein parteipolitisches Programm oder durch ein ökonomisches Modell, hat die Macht. Ich warne vor einer Revolution oder einem Kinderkreuzzug à la „Mad Max“. Was passiert, wenn sich diese Tausenden von Selbstausbeutern und Enthusiasten, die an ihrer Disponibilität leiden, an den 24 Stunden pro Tag im home office, in ein ökonomisches Modell eingepasst werden?

 

Weiterführende Literatur:

  • Maurizio Lazzarato „Immaterielle Arbeit“. In: Negri, Antonio, Maurizio Lazzarato, Paolo Virno, und Thomas Atzert „Umherschweifende Produzenten: immaterielle Arbeit und Subversion“, Berlin 1998, ID-Verlag, S. 39-52; hier im Internet
  • Luc Boltanski „Leben als Projekt. Prekarität in der schönen neuen Netzwerkwelt“, im Online-Magazin der Zeitschrift „Polar“
  • Brian Holmes „The Flexible Personality. For a New Cultural Critique“, 2001, im Online-Magazin „Transform“

FILZ empfiehlt: Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes | noch bis 18.06. im Luru Kino

„That’s why we make art, so that the possibility can survive in form“, sagt der junge, laut Selbstbezeichnung kommunistische Filmemacher Julian zu Camille, in der Annahme, sie auf seiner Seite zu haben oder gar damit zu beeindrucken. Zu dem Zeitpunkt haben die beiden bereits längere Zeit als Arbeiter_innen auf einer brandenburgischen Apfelplantage verbracht. Camille sieht Bedarf, sich mit den anderen Arbeiter_innen solidarisch für eine Veränderung der schlechten Arbeitsbedingungen zu organisieren, während Julian versucht, sie von der Unmöglichkeit dessen zu überzeugen.

Ein überaus amüsantes Kino, dass einige Interessenkonflikte politischen Filmemachens sehr treffend und überspitzt abbildet.