BAAL von Volker Schlöndorff – ein Film der nach 44 Jahren wieder gezeigt werden darf

Marseille, 26.11.2015 – Cinéma Variété. Die Laudatio wird von einer Professorin der Filmgeschichte gehalten, zusammen mit einer Referatsleiterin des Goethe-Instituts. Die Wissenschaftlerin verweist auf die langjährige Pause, in welcher der Film aufgrund einer entsprechenden offiziellen Unterlassungsaufforderung nicht gezeigt werden durfte. Dies hatte die Witwe Fassbinders Helene Weigel durchgesetzt.

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Fassbinder war damals noch unbekannt; die Rolle schien ihm auf den Leib geschnitten zu sein. Als zynisch-rebellische Verkörperung von Brecht, schleppt er sich von Fiesheit zu Fiesheit; in 24 Etappen erschließt sich das „Stationendrama“ bis hin zum obligatorischen Exodus des ausgebrannten Genies. Man fühlt sich stellenweise an Rolf-Dieter Brinkmann und Kinski erinnert, deren Einflüsse kaum von der Hand zu weisen sind. Schlöndorff flechtet zudem u.a. Villon ein und versetzt die Kollage mit verstörenden Free-Jazz-Exzessen. Ein lyrischer Essay, der dem Publikum an diesem Abend sehr zu gefallen wusste.

Echte Gefühle: Denken im Film ||| Ausstellung in Berlin noch bis 27.04.

Wie werden Gefühle im Film transportiert, vermittelt und erzeugt? Was gilt es filmisch umzusetzen damit Authentizität erkennbar wird? Eine sicher interessante – wenn auch nicht gerade gewagte – Ausstellung hierzu ist bis Ende kommender Woche im KW Institute for Contemporary Art zu sehen. Wünschenswert wären hier ein paar mehr junge Künstler gewesen mit zeitgenössischen Ansätzen. Dennoch ist die Ausstellung abgerundet und als Überblick gut geeignet.

Mit Arbeiten von Chantal Akerman, Ed Atkins und Simon Martin, Sue de Beer, Harry Dodge und Stanya Kahn, Loretta Fahrenholz, Christian Jankowski, Jesper Just, Peter Roehr, Roee Rosen, John Smith und Mark Wallinger.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Echte Gefühle: Denken im Film 
KW Institute for Contemporary Art, Auguststraße 69, 
Mitte, Mi–Mo 12–19 Uhr, Do 12–21 Uhr, bis 27.4.

 

 

DADA im LURU: GEGENkino präsentiert am 12.04.2014 in Leipzig Jaap Blonk

Jaap Blonk ist Dr Voxoid & „Deutschland Dada“ (D 1969, R: Helmut Herbst, 61′, dF, 35mm)

Der niederländische Lautpoet JAAP BLONK wird seine audiovisuelle Performance DR.VOXOID vorstellen. (c) Jaap Blonk_1

 

 

 

 

 

 

Dada ist Chaos, Spontaneität und Spott, ist Infantilismus par excellence, doch dabei charmant. Dada ist spielerischer Ernst, nihilistischer Protest, radikaler Überfall – gegen und auf die Künste, auf jeglichen Sinn in allen Künsten. Dada ist Vertreterin eines Unsinns, der beileibe kein Blödsinn sein will. Von den technischen Möglichkeiten Filme zu machen, waren in den 1910er und 20er Jahren Dadaisten wie Hans Richter, Man Ray oder Viking Eggeling fasziniert. Technik und ästhetisches Experiment flossen zusammen zu kleinen Filmen, visuellen Störungen, die späteren Generationen experimenteller FilmemacherInnen als Inspiaration diente. Helmut Herbsts Filmklassiker „Deutschland Dada“ dokumentiert die Auswirkungen der weltweiten dadaistischen Explosion in einem Dada-Alphabet. Neben anderen sprechen Raoul Hausmann, Richard Huelsenbeck und Hans Richter über die seltenen Momente, in denen sich radikaler gesellschaftlicher Protest und radikale Kunst kurzfristig miteinander verbündeten. Dada ist immer schon ein medienübergreifendes Phänomen. Deswegen wird der Film im Anschluss ganz wunderbar ergänzt durch die Performance des niederländischen Lautpoeten Jaap Blonk, einem der profiliertesten Vertreter seines Fachs weltweit. Blonks sehr physische Auftritte streben danach ein Kino fürs Ohr zu erzeugen und artikulieren damit eine dadaistische Poesie, bei der Sprache als Klang aufgefasst wird. Das Geschriebene ergibt keinen erzählerischen Sinn, sondern ist Material für komponierte Laut-Artikulationen, die Sie so garantiert noch nie erlebt haben

2 April 2014, 9 Uhr LuRu-Kino ||| 8€/6€ (red.)

 

Luru Kino in der Spinnerei

Spinnereistr. 7

04179 Leipzig

Jaap Blonk im LURUKINO_Stopper

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